People

 Christoph Nübel, Alumni

Alumnus

Christoph Nübel (Germany, 1982)

M.A. in History, European Ethnology, Politics and Public Law.

PhD project
Perceptions of Landscapes and Space. German Soldiers in the Great War.
Abgeschlossenes Dissertationsprojekt an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 2008-2011. Betreuer: Prof. Dr. Christoph Cornelißen. VÖ vorauss. 2013.

Die räumlichen Dimensionen des Wahrnehmens, Deutens und Handelns (in) der Lebenswelt werden von der Geschichtswissenschaft erst sukzessive in den Blick genommen. Das Dissertationsprojekt „Umwelt – Gelände – Landschaft“ befasst sich mit diesen Problemen am Beispiel des Ersten Weltkrieges. Die Schlüsselkategorien der Arbeit: Raum, Körper und Erfahrung werden dabei im Spannungsfeld von Materialität und Diskurs verortet.

Die Dissertation fragt danach, wie sich die Soldaten an den fremden Raum des Krieges anpassten. Die der Untersuchung zugrunde liegende Prämisse lautet, dass sich das Kampfgelände grundlegend von den aus Friedenszeiten bekannten Räumen unterschied. Um an der Front überleben zu können, mussten die Soldaten neue Infrastrukturen wie Schützengräben errichten; ihre Handlungsmuster durch Training verändern und angesichts einer veränderten Umgebung eigene Deutungs- und Wahrnehmungsweisen entwickeln. Der Mensch, der um 1900 als form- und gestaltbares Wesen angesehen wurde, schien diesen Anforderungen gerecht werden zu können.

Für die Zeit des Ersten Weltkrieges werden drei räumliche Dimensionen analytisch unterschieden: 1) Umwelt: Die klimatischen Bedingungen der Umgebung oder die örtlichen Bodenverhältnisse wirkten sich maßgeblich auf die Lebensverhältnisse der Soldaten aus – Raum als physisch-geographische Lebenswelt der historischen Individuen.
2) Gelände: Die Wahrnehmung der Umgebung unter dem Primat des Kampfes, der Deckung, Orientierung und schließlich des Überlebens – Raum als Kategorie militärischen Denkens und Handelns.
3) Landschaft: Die Wahrnehmung der Umgebung durch einen fühlenden und empfindenden Betrachter, der seinen Blick auf die Gesamtheit der gegenständlichen Erscheinungen richtet – Raum in Verbindung mit Deutungen des Selbst und der Lebenswelt.

Durch die im gefährlichen und fremden Frontgebiet gesammelten Erfahrungen veränderte sich auch der Blick auf den Körper. Das Militär konstatierte, dass nur geeignete und „gewandte“ Männer als Soldaten in Frage kamen, um den Herausforderungen eines Zukunftskrieges gerecht werden zu können.

Die Kriegserlebnisse wurden diskursiv begleitet und überwölbt. Darstellungen der Fremdheit und Gefahren, welche die Front als Todeszone zeigten, waren schon während des Krieges, aber erst recht in den 1920er-Jahren in Deutschland verbreitet. Auf diese Weise wirkte der Raum Westfront in der Nachkriegsgesellschaft fort. Die Soldaten beduften offenbar besonderer Fähigkeiten, um dort überleben zu können. Damit gewannen sie an Statur und Ansehen, was sie zum bedeutenden Objekt und Subjekt der politischen Kultur Deutschlands machte.

Research interests Military history from the late 18th century to the present (with special focus on the First World War and “Operation Barbarossa” in the Second World War), German Kaiserreich (1871-1918), historical anthropology, ethnology, culture of remembrance (monuments, political myth, collective memory), history of mentalities, history of religious denominations in Germany.
Post PhD Position Scientific Assistant, Lehrstuhl für Europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts, Humboldt-Universität zu Berlin
Education

Since April 2008
Member of the Graduate School “Human Development in Landscapes” at the Christian-Albrechts-University Kiel.

2007
Graduated (Magister Artium) with a discourse analysis on the homefront in Germany during the First World War.

2002 - 2007
Studies of history, European ethnology, politics and public law from 2002 to 2007 at the Westfälische Wilhelms-Universität Münster and the Universität Bremen (one term as visitor).

Work experience

2006 - 2007
Student research assistant at the Institute of European Ethnology at the Westfälische Wilhelms-University Münster.

2005 - 2006
Student trainee at the Westphalian Museum of Arts and Cultural History.

Selected publications

accepted
Nübel, C.: Schlacht-Perspektiven. Wahrnehmungen und Repräsentationen der „Michael“-Offensive 1918.

2011
Nübel, C.: Neue Forschungen zur Kultur- und Sozialgeschichte des Ersten Weltkriegs. Themen, Tendenzen, Perspektiven. In: H-Soz-u-Kult, 08.07.2011. H-Soz-u-Kult

2010
Nübel, C.: Geistesgeschichte, Naturgeschichte, Militärgeschichte: Der Brocken. AKM-Newsletter 34: 25.

2009
Nübel, C.: Dissertationsbericht „Kriegslandschaften“. AKM-Newsletter 14/1: 17-18.

2009
Nübel, C.: Die literarische Verarbeitung des Ersten Weltkrieges. Der Führertopos bei Walter Flex’ Der Wanderer zwischen beiden Welten und Ernst Jüngers In Stahlgewittern. AKM-Newsletter 14/1: 6-8.

2009
Nübel, C.: Die Mobilisierung der Kriegsgesellschaft (Wilhelm-Deist-Preis für Militärgeschichte 2008). AKM-Newsletter 14/2: 29-30.

2009
Nübel, C.: Review - Wohlleben, M. (Hg.): Fremd, vertraut oder anders? Beiträge zu einem denkmaltheoretischen Diskurs, 2009. Sehepunkte 9: 9.
sehepunkte.de

2009
Nübel, C.: Review - Stibbe, M.: British civilian internees in Germany. The Ruhleben camp, 1914-18. Manchester, 2008. Archiv für Sozialgeschichte 49. library.fes.de

2009
Nübel, C.: Review - Brocks, C.: Die bunte Welt des Krieges. Bildpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg 1914-1918, 2008. Militärgeschichtliche Zeitschrift 68/1: 203-205.

2009
Nübel, C.: Review - Ditt, K., Tenfelde, K. (Hg.): Das Ruhrgebiet in Rheinland und Westfalen. Koexistenz und Konkurrenz des Raumbewusstseins im 19. und 20. Jahrhundert, 2007. Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde 54: 314-316.

2009
Nübel, C.: Ballonbeobachtung im Ersten Weltkrieg. flieger-album.de

2008
Nübel, C.: Die Mobilisierung der Kriegsgesellschaft. Propaganda und Alltag im Ersten Weltkrieg in Münster. Münster.

2008
Nübel, C.: Das Niemandsland als Grenze. Raumerfahrungen an der Westfront im Ersten Weltkrieg. In: Zeitschrift für Kulturwissenschaften 2: 41-52.

2008
Nübel, C.: Le ballon de reconnaissance/Ballonaufklärung. Panoramas et fragments/Panoramen und Landschaften. Paysages/Landschaften 1918 & 2008. Lille, 26-27.

2008
Nübel, C.: Panoramas/Rundbilder. Panoramas et fragments/Panoramen und Landschaften. Paysages/Landschaften 1918 & 2008. Lille, 44.

2007
Nübel, C.: Mobilisierung der Heimatfront und Selbstbehauptung in Feindesland. Die Nagelung von Kriegswahrzeichen und das Monument der Kriegsgefangenen in Münster 1915-1918. In: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde 52: 131-156.

2004
Nübel, C.: Abiturbräuche gestern und heute. KulTour 15 (2004), pp. 19-30.

back
Mobile Menu